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Frau im Trend Nr. 32  Juli 2004

Helfen Sie Ihren schweren Beinen auf die Sprünge!



Die Beine schmerzen, schwellen an heißen Tagen an, jeder Schritt wird zur Qual: geschwollene Füße, Krampfadern. Jede zweite Frau leidet an krankhaften Veränderungen der Beinvenen. Aber es gibt Tricks und Tipps, wie man ohne schwere Beine durch den Sommer kommt. FRAU IM TREND fragte Dr. med. Georg Popp, Facharzt für Dermatologie an der licca-Klinik in Augsburg.

Wie kriege ich jetzt meine müden Beine wieder munter?
Müde Beine kommen von einer Bindegewebsschwäche der Venenwände. Sie führt dazu, dass die Gefäßwände ausleiern. Die Folge: Die Venenklappen schließen nicht mehr richtig. Das Blut wird nicht mehr ausreichend zurück zum Herzen gepumpt und staut sich.

Und das macht müde und schwere Beine?
Ja, gerade in der Sommerhitze macht sich die Venenschwäche unangenehm durch Schwellungen, leichte Schmerzen sowie große Müdigkeit der Beine bemerkbar.

Was kann ich jetzt tun, damit es nicht so weit kommt?
Damit es nicht so weit kommt, sollte man frühzeitig einen Phlebologen aufsuchen. Aber als erste Maßnahme hilft schon, wenn Sie langes Stehen und Sitzen meiden und sich mehr bewegen. Denn Bewegungsmangel, Wärme, Hormonumstellungen wie eine Schwangerschaft oder die Wechseljahre, die Einnahme der Pille sowie starkes Übergewicht und erbliche Veranlagung sind Risikofaktoren. Sie alle begünstigen das Entstehen von schwachen Venen und den daraus sich entwickelnden Krampfadern.

Kann ich die Venen entlasten?
Natürlich geht das. Sie sollten laufen und liegen, Wassergüsse nach Kneipp machen. Auch Massagen, Stützstrümpfe tragen und Übergewicht abbauen entlasten das Venensystem. Aber das alles sind Maßnahmen, die nicht sofort Linderung bringen, sondern auf Dauer gemacht werden müssen.

Und welche schnelle Hilfe gibt es?
Kalte Kneipp-Güsse von den Knien abwärts helfen sofort. Kaltes Wasser zieht nämlich die Gefäße zusammen, während warmes Wasser sie weitet. Da die Gefäße sowieso „undicht“ sind, sollte alles gemieden werden, was sie zusätzlich belastet. Das sind z.B. heiße Bäder und Saunagänge, aber auch direkte Sonnenbestrahlung ist nicht gut. Wer also in den Ferien in der Sonne liegt, sollte alle Stunde die Beine wenn möglich im Wasser kühlen.

Aber auch Bewegung nützt was...
Ja, sanfte Ausdauersportarten wie Wandern oder Radfahren sowie Schwimmen helfen. Radfahren sollte man allerdings mit Kompressionsstrümpfen. Diese sanften Ausdauersportarten verbessern die Pumpleistung der Venen. Und abends im Bett hilft eine Fußgymnastik.

Und können auch Medikamente jetzt schnell helfen?
Cremes helfen nicht optimal, Rosskastanie und manche Venenkapseln bewirken eine gewisse Gefäßabdichtung, stellen eine minimale Ödemprophylaxe dar. Das heißt, die Beine werden nicht so schwer. Stützstrümpfe helfen besser. Aber wer mag die jetzt schon im Sommer tragen?

Und wenn all das nicht hilft, muss dann nach dem Sommer operiert werden?
Ja, gefährdete Menschen – das sind ja wie gesagt Frauen, die die Pille nehmen-, Übergewichtige und solche, die die Veranlagung zu müden Beinen haben, werden wohl trotz aller Maßnahmen früher oder später Krampfadern ausbilden. Operiert werden sollte dann nicht erst, wenn sie da sind, sondern sofort. Denn die Krampfadern belasten sonst das Venensystem durch die defekten Venenklappen.

Ist so eine OP Routine und schnell gemacht?
Ja, das ist richtig! Dank der neuen Lasermethode wird die Krampfader von innen unter lokaler Betäubung verödet. Dazu wird ein verdünntes Betäubungsmittel rund um die Vene eingespritzt – damit der Eingriff völlig schmerzfrei für den Patienten ist. Anschließend wird über eine feine Nadel eine nur 0,2 mm dünne Glasfaser in die Vene eingeführt. Die Faser transportiert die Laserenergie, die in der Vene eine Temperatur von 60 bis 70 Grad Celsius erzeugt. Dabei wird der Laserstrahl von dem Phlebologen langsam zurückgezogen. Die Folge: Die Krampfader verschließt sich Stück für Stück von innen und zieht sich zusammen. Damit ist der Defekt behoben.

Und wie schnell bin ich danach wieder fit?
Nach der Operation muss der Patient drei Tage lang einen Kompressionsverband tragen und anschließend zwei Wochen lang Kompressionsstrümpfe. In den folgenden Monaten baut der Körper die verschlossene Vene ab.

Welches sind die Vorteile der neuen Behandlungsmethode?
Sie liegen auf der Hand. Es bilden sich nämlich weniger neue Krampfadern als nach dem herkömmlichen Stripping. Eine Vollnarkose wie beim bislang üblichen Verfahren entfällt. Dies allein ist schon viel weniger belastend und schonender.

Bleiben Narben zurück?
Durch die neue Lasermethode entstehen kaum sichtbare Narben. Denn die Lasernadel ist ja superfein.

Habe ich dann nie mehr müde Beine?
Jein! Die behandelte Vene kann sich nicht neu ausbilden. Allerdings ist es möglich, dass im Laufe der Zeit andere Krampfadern entstehen, die dann ebenfalls operiert werden müssen.

Und auch geschwollene Füße sind dann Vergangenheit?
Ja, wenn Sie sie besonders jetzt im Sommer täglich kalt abduschen, Fußgymnastik machen und die Beine immer wieder mal ein paar Minuten hochlegen. Denn auch die Füße werden durch die Venenschwäche in Mitleidenschaft gezogen, sind häufig geschwollen und schmerzen. 

Warum ist Barfußlaufen so gesund?
Wir merken ja selbst schon, wie gut uns Barfußlaufen tut. Denn durch den Kontakt der Fußsohle auf unebenem, aber weichem Untergrund wie am Strand oder auf einer Wiese wird die Durchblutung angeregt. Ein ganz normaler Spaziergang in guten Schuhen bewirkt das auch. Das ist wie eine natürliche Massage. Und gut ist alles, was die Füße entlastet. Zum Beispiel eine Massage, ein Fußbad und – wenn nötig – auch mal eine gründliche medizinische Fußpflege.

 


Wie Sie Ihre Füße entlasten können

Neue Schuhe immer nachmittags kaufen
Immer bequeme, möglichst flache Schuhe tragen. Nicht zu fest schnüren. An den Zehen sollte ca. 1 Zentimeter Luft sein. Neue Schuhe immer nur nachmittags kaufen, weil dann die Füße „dicker“ sind.

Fußbäder
Mit Salz verbessern Sie die Durchblutung. 2 EL auf 10 Liter mäßig warmes Wasser nehmen. Nach dem Fußbad die Füße trocknen, danach leicht massieren. Immer von den Zehen zur Ferse sanft drücken.

Wechselbäder
Füße eine Minute mit warmen und 15 Sekunden mit kaltem Wasser abduschen. Zweimal wiederholen. Danach Füße gut trocknen und mit einem Handtuch warm rubbeln.

Entspannen
Mit den Zehen ein Tuch vom Boden aufheben – jeweils abwechselnd eine Minute linker und rechter Fuß. Fußnägel immer gerade und nicht rund schneiden, Ecken nur leicht abrunden.

Training
Jetzt im Sommer einmal am Tag 5 bis 15 Minuten barfuß laufen. Z. B. auf Wiesen (auf Zecken aufpassen!), auf Rasen (Park, Freibad) oder am Sand- oder Kiesstrand. Harte Böden meiden. Das regt die Muskulatur und die Durchblutung der Beine an. Fußsohlen werden massiert wie bei einer Reflexzonenmassage.

Schnelle Hilfe bei Venenschmerzen und Fußpilz
Ein Extrakt aus rotem Weinlaub hilft schnell bei Venenschmerzen. Als Creme zum Einreiben wirken z.B. Antistax (auch als Kapsel zum Einnehmen) oder Heparin-ratiopharm (Apotheke). Gegen Fußpilz empfehlen Ärzte ein Anti-Pilz-Mittel als Creme, Spray oder Gel (z.B. Lamisil, in der Apotheke erhältlich).